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Mindestlohn muss her!

Tach auch,

gerade dann, wenn die Exportwirtschaft krankt, wie in der derzietigen Krise, sollte eine Binnenwirtschaft zumindest einen Teil auffangen können. Werden allerdings Löhne gezahlt, von denen nicht mal mehr ein Single seinen lebensunterhalt bestreiten kann, dann kann auch die Binnenwirtschaft nichts auffangen!

Die FDP, allen voran Bundeswirtschaftsminister Brüderle (FDP), blockiert den Mindestlohn der Müllwerker. Schon vor der Bundestagswahl hatten sich die Tarifparteien auf einen Mindestlohn geeinigt. Vor der Wahl versprach Bundekanzlerin Merkel, dieser Einigung zuzustimmen und ins Entsendegesetz aufnehmen zu lassen. Die Blockade des Koalitionspartners steht dem nun im Weg!

Mit der FDP wird es auch keinen flächendeckenden Mindestlohn geben. Sie beruft sich dabei auf die Tarifautonomie. Doch die ist zumindest auf Seiten der Gewerkschaften geschwächt. Entweder können die großen Gewerkschaften die Lohnforderungen nicht so durchsetzen oder es werden schnell neue Gewerkschaften gegründet, die eher von den Arbeitgebern gesponsert, wohl die Unternehmerseite vertreten, statt die Arbeitnehmerseite.

In der Krise zeigt sich, wie fehlerhaft es ist, wenn man nur auf eine florierende Exportwirtschaft schaut, statt auch den Binnenmarkt mehr zu fördern. Doch ein Konjunkturaufschwung am Binnenmarkt kann nur funktionieren, wenn die Löhne entsprechend hoch sind, dass man überhaupt konsumieren kann.

So schreibt das Hans-Böckler-Institut:

Auf die deutschen Exporte haben sich die unterdurchschnittlichen Lohnzuwächse vorteilhaft ausgewirkt. Gesamtwirtschaftlich haben sie das Wachstum aber eher gebremst: Länder mit vergleichbaren Arbeitskostenniveaus, aber höheren Zuwachsraten sind im vergangenen Jahrzehnt weitaus stärker gewachsen als Deutschland. Das zeigt ein Vergleich mit den Wirtschaftsdaten Frankreichs, Großbritanniens, der Niederlande, Finnlands und Österreichs.

Trotz der niedrigen Lohnzuwächse verzeichnet die Bundesrepublik auch die vergleichsweise schlechteste Entwicklung bei der Beschäftigung. Der Grund: Die schwache Entwicklung der Einkommen hemmt die Binnennachfrage – und die trägt in einer großen Wirtschaft wie der deutschen nach wie vor deutlich mehr zu Wachstum und Beschäftigung bei als der Export.
Selbst unter den deutschen Unternehmen profitiert nur ein Teil vom geringen Anstieg der Löhne Einzelne exportorientierte Branchen konnten in den vergangenen Jahren zwar Rekordgewinne und hohe Renditen erzielen. Gleichzeitig belastete die schwache Binnennachfrage aber die Gewinne jener Unternehmen, die, wie zum Beispiel der Handel, auf den Inlandsabsatz angewiesen sind (Anm.: das sind 80% der Arbeitsplätze) . Das lässt sich an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der Bruttogewinne ablesen: In allen anderen betrachteten Ländern entwickelten sie sich zwischen 1999 und 2008 stärker als in Deutschland.

Mehr dazu ->hier!

Fazit gesamtwirtschaftlich wirkt sich die Exportweltmeisterschaft eher nachteilig aus.

Schlimmer noch, mit einer ominösen Umfrage wird schon wieder um Lohnverzicht geworben! Bei einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) antworteten 56 Prozent der befragten Arbeitnehmer, dass sie in den nächsten beiden Jahren bei den Lohnverhandlungen mit einer Nullrunde einverstanden wären. Von den Arbeitnehmern würde jeder Zweite freiwillig auf Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld verzichten, um seinen Teil zum Aufschwung beizutragen.

Hatten wir das nicht schon vor Jahren? Hatte Exkanzler GAZ-Gerd Schröder nicht schon darum geworden? Hatten damals nicht schon viele auf Lohnerhöhungen, Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet? Sind die Arbeitnehmer seit dem nicht genug mit einem seit dem andauernden Reallohnverlust gestraft?

Der bei Welt-Online veröffentlichte Artikel zu der Studie zieht dann auch einen Rattenschwanz von über 20 Seiten voller erboster Kommentare hinter sich her, in denen Arbeitnehmer zu massenhaft ihren Unmut bekunden und sogar auf die Straße gehen würden, sollten solche forderungen von Arbeitgeberseite kommen. Denn auch die zugesicherte Arbeitsplatzsicherung, die meist mit dem Lohnverzicht ausgehandelt wurde, extierte im Grunde nicht, wenn man sich die vorgehensweisen anschaut, wie Stellen massiv in den letzten zehn Jahren abgebaut wurden.

An dieser Stelle braucht wohl nicht großartig darauf hingewiesen werden, dass Hartz iV seinen Teil zur Lohndrückerei beigetragen hat oder wer einzig davon schmarotzend provitierte, dass Deutschland Exportweltmeister war. Ein Mindestlohn könnte zumindest dafür sorgen, dass die Schieflage wieder ein wenig ins Lot kommt.

Schönen Tach noch…

Ein Kommentar zu “Mindestlohn muss her!”

  1. Thomasam 07.08.2014 um 09:21

    Jetzt wird auch bei uns endlich der Mindestlohn eingeführt. Etwas, auf das viele schon seit Jahren warten. Auch wenn ich diese Entscheidung als einen ganz wichtigen Schritt sehe, muss sich in Zukunft hier noch vieles mehr ändern. Man kann nur hoffen, dass das Thema nach der Einführung nicht wieder zur Seite geschoben wird, sondern intensiv weiter nach vorne getrieben wird.

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