Archiv für das Tag 'EinEuroJob'

Tach auch,

jüngst erschien bei Zeit-Online ein Gastkommentar zum Thema “Sozialunternehmer: Und was, wenn Geld übrig bleibt?” Aus der Sicht vieler eineurojobbenden von Hartz IV Betroffener bleibt nach so mancher Maßmahme bei einem dieser Sozialunternehmen ein ziemich fader Beigeschmackt zurück und nicht wenige fühlen sich augebeutet.

Der erhoffte Sprung in den ersten Arbeitsmarkt bleibt dazu noch meist aus. Der Zeit-Gastkommentator Andreas Heneike lobt dagegen die heren Ziele der Sozialunternehmer. Er spricht von gesellschaftlichen Missionen oder Lösungen von Notlagen. In einer Notlage befindet sich dagegen so ziemich jeder von Hartz IV Betroffene! Erschwerend kommt hinzu, dass viele in ihrer Not auch noch durch eben diese Sozialunternehmer ausgebeutet werden.

Da wird die Zusätzlichkeit eines EinEuroJobs bis über die Höchstgrenze strapaziert oder die Arbeitszeit von 30 Wochenstunden all zu oft überschritten. Noch leichtere Beute dieser Sozialunterenhmer sind dann die von Hartz IV Betroffenen, die psychische Probleme haben oder zu den eher labileren Mitmenschen gezählt werden müssen.

Gerade dieser Klientel nehmen sich die Sozialunternehmer gerne an. Psychisch sowieso schon angeschlagen kuschen diese Betroffenen unter dem permanent ausgeübten Druck, dass sie sanktioniert werden. Oftmals fehlt es in diesen Unterenhmen an geeigneten Fachleuten, die entsprechend psychologisch oder psychiatrisch geschult sind. Hier trifft man eher in so manchem Sozialunternehmen auf ehemalige Berufssoldaten mit gefährlichem Halbwissen in ziviler Menschenführung oder ähnlichen Mitstreitern, die sich dann Coaches nennen und vorgeben, alles für die Betroffenen zu tun, um sie wieder in den ersten Arbeitmarkt zu bekommen.

Zu solchen Sozialunternehmen darf man beispielweise die Paritätische Initiative für Arbeit in Mülheim/Ruhr (PIA) oder die Essener Palette zählen. Beides eingetragene Vereine, während die PIA mittlerweile zur Stiftung mutierte.

Von der Essener Palette hört man Gerüchte, dass dort z.B. Artikel für Aldi zusamengebaut wurden. Wo bleibt da die Zusätzlichkeit, geschweige denn die Gemeinnütigkeit?

Die PIA in Mülheim/ruhr unterdessen deklarierte ihre verschiedenen Unternehmenszweige als Projekte! Eines der größten Projekte ist dabei die Verstrickung in den Fahrradverleih im gesamten Ruhrgebiet. Darüber hinaus unterhält die PIA als Projekte eine Autovermietung, einen Cateringservice oder Altenpflegehilfe samt Einkaufshilfe usw..

Meist werden die Arbeiten dazu auf der untersten Schiene von EinEuroJobbern erledigt, während diese von Angestellten in der Endgeltvariante angeleitet werden. Rekrutiert werden die Betroffenen aus einem, als “Kompetenzzentrum” bezeichneten Auffanglager, zu dem die Betroffenen von der Mülheimer Optionskommune zu Hauf geschickt werden.

Mittlerweile dürften die diversen Projekte zu erträglichen Geschäften unter dem Deckmantel einer Siftung mutiert sein, die dazu dienen dürften, den Festangestellten gute Gehälter zu bescheren und dem Geschäftsführer ein üppiges Gehalt entnehmen zu lassen. Vermutungen, an denen nach einigen Beschwerden, bzw. Anzeigen mittlerweile die Staatsanwaltschaft dran sein dürfte, die sich allerdings bedeckt hält.

Doch wie in Mülheim/Ruhr sieht es Bundesweit in vielen Städten mit den Sozialunternehmen aus, die wie Pilze aus dem Boden sprossen, als Hartz IV eingeführt wurde. Einer Stadt, wie Mülheim beschert es eine niedrige Arbeitslosenstatistik, doch die Statistik der Alg II-Bezieher trübt dann die Arbeitslosenquote wieder ein!

So bleibt eben das Geschmäckle zurück, dass in dem Zeit-Online-Gastkommentar völlig unter den Tisch gekehrt wird.

Schönen Tach noch…

Tach auch,

nun fragen Sie sich, wer ist Heike Lippke? Seit dem gestrigen Dienstagabend in der ARD-Sendung “Hart aber Fair” ist sie die Vorzeige-Ex-Alg II-Bezieherin Deutschlands.

Die alleinerziehende Mitvierzigerin aus Düsseldorf, als Bürokauffrau bei Dachdeckermeister Huber wieder in Lohn und Brot, schwang sich auf, sich für den EinEuroJob stark zu machen. Dabei erzählte sie bei Frank Plaßberg, wie andere Erwerbslose auf ihre Bewerbung auf einen EinEuroJob reagierten. Sie wollte schließlich was tun!

Doch was hat sie damit bewirkt? Durch ihren EinEuroJob hat sie mit dazubeigetragen, das Hartz IV seine Lohndrückende Wirkung entfaltet und ein NIedriglohnsektor entstehen konnte. Sie ist das Beispiel vor all jene, die was tun wollen, nicht auf der faulen Haut liegen und dazu beitragen, dass Hausmeisterstellen gestrichen wurden, wo heute z. B. 5 Hausmeistergehilfen, als EinEuroJobber, die Arbeit von 5 regulär beschäftigten Hausmeistern erledigen und dies unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit.

Nur ein Beispiel von vielen, das jedoch vielfach in Deutschland vorkommt. Ganz zu schweigen von den EinEuroJobs, die jeder Gemeinnützigkeit entbehren, wie der Film Armutsindustrie aufzeigt.

Heike Lippke arbeitet heute wieder regulär. Sie ist eine von ganz wenigen Erwerbslosen, die es aus der Hartz IV-Falle heraus geschafft hat und sicherlich kein Paradebeispiel, das man in eine Sendung stellvertretend einlädt, wenn darüber diskutiert wird, ob der von der Leyensche 5 Euro-Almosen genug sei.

Ulrich Schneider, Chef des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, schwingt sich dafür mal wieder als Lobbyist der Alg II-Bezieher auf, obwohl gerade im Paritätischen mit die schlimmsten Maßnahmeträger, gerade für EinEuroJobber, Mitlgied sind, wie die PIA in Mülheim/Ruhr oder die Essener Pallette e.V.! Leicht wird da der nette Herr Schneider zum Heuchler, solange er solche Mitglieder nicht aus dem Paritätischen wirft.

Insgesamt passte mal wieder die Runde zur Hartz IV-Propaganda, die anscheinend nicht verliert, die 5 Euro-Almosenerhöhung, die gestern vom Merkel-Kabinett beschlossen wurde und noch längst nicht durch ist, zu rechtfertigen. Da nützt es auch einem Oscar Lafontaine nichts, der neben Widersacher Lindner (FDP) platznehmen musste. Der private Arbeitsvermittler aus Gera passte da ebenso hervorragend ins Bild, der die Meinung vertritt, dass mehr Geld für Hartz-IV-Empfänger in Wahrheit nur den Faulen helfe.

Immerhin, Vorzeigefrau Lippke warf zwischendurch auch noch mal ein, dass es ja wohl beide Seiten unter den Alg II-Beziehern gibt, doch wieder einmal wurde klar, dass die Minderheit der wirklich Faulen, die man nicht über einen Kamm mit den Resignierenden scheren sollte, dafür herangezogen wird, dass die Mehrheit der arbeitswilligen Erwerbslosen unter ihnen und dem Argumentationsvorwand “Faulheit” zu leiden haben.

Die Lebenswirklich sieht wahrlich anders und auch Heike Lippke hat nach eigenen Angaben mehr als 200 Bewerbungen geschrieben. Mit ihren 44 Jahren ist sie auch Hart an der Grenze, an dem, was über 40jährige Erwerbslose heutzutage bei der Arbeitssuche erleben. Wie bei Heike Lippke das Argument als ALleinerziehende herangezogen wurde, so erfinden Arbeitgeber und Personaler immer wieder maßgeschneiderte Argumente, über 40jährige nicht einzustellen. Heike Lippke hatte einfach nur Glück, nicht mehr und nicht weniger!

Schönen Tach noch…

Tach auch,

das Dickicht der gemeinnützigen GmbHs, die die Wohlfahrtsverbände eilig für die EinEuroJobs gründeten scheint undurchsichtig geworden zu sein. Jüngst deckte der NDR auf, dass Berichten zu Folge die Arbeiterwohlfahrt im schleswig-holsteinischen Neumünster 8 Euro die Stunde von Rentnern kassierte, die EinEuroJobber ausführen.

Egal ob Diakonie, Caritas oder Arbeiterwohlfahrt, sie alle waren schnell dabei, Grundlagen für EinEuroJobs zu schaffen, als 2005 Hartz IV eingeführt wurde. Aber auch der Paritätische kann sich wohl nicht gänzlich davon freisprechen, denn um ein paar dubiose Ecken herum, bestehen wohl Verbindungen zur Paritätischen Initiative für Arbeit in Mülheim a. d. Ruhr, die sich bedeckt halten und scheinbar recht dubios mit EinEuroJobbern umgehen.

Recht offen geht die Diakonie mit der EinEuroJob-Geschichte um, in dem offen im Internet die gGmbHs “Neue Arbeit” in verschiedenen Städten sich darstellen. Anders sieht es regional bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) aus. Während in Berlin ein Gestrüp von Servicegesellschaften enstanden ist, sieht es scheinbar anders in Düsseldorf aus und so gibt es regionale Unterschiede. Die Caritas hat regional diverse Servicegesellschaften gegündet. Oftmals sind dies gGmbHs, in die festangestellte Caritas-Beschäftigte ausgegliedert wurden und sich hervorragend auch EinEuroJobber wegen der Gemeinnützigkeitsform unterbringen lassen.

Alle gemein betreiben Bildungseinrichtungen, die sich bei der AWO gemeinütziges Berufsbildungszentrum (gBBZ) oder bei der Caritas Bildungsakademie nennt. Bei der Neuen Arbeit ist der Bildungsbereich scheinbar oftmals integriert. So übernehmen vorgelagerte Einrichtungen die Verteilung der EinEuroJobber und leiten diese entweder an städtische Einrichtungen oder Gesellschaften dann weiter und kassieren regional unterschiedlich bis zu 800 Euro für einen arbeitslosen Zwangsarbeiter von der ARGE oder dem JobCenter. Die Arbeitslosen werden eingesetzt in Jugendhilfeeinrichtungen als Hausmeistergehilfen an Schulen, stricken Puppen bei der DEKRA oder werden an Trampolinhersteller vermittelt, wie die bekannte ARD-Doku aufzeigt. Häufig nutzen die Wohlfahrtsverbände eben die eineurojobbenden Zwangsarbeiter für ihre eigenen gemeinnützigen Gesellschaften als Lückenfüller in der Altepflege oder Kinderbetreuung, lassen den eigenen Fuhrpark pflegen oder instand halten oder werden an die Städte als Laubhaker oder Schneeschieber verteilt.

Das Problem, wie es nun bei der AWO Neumünster aufgetaucht ist, ist kaum zu durchschauen und fraglich ist oftmals, ob die Gemeinnützigkeit gegeben ist oder sich die Hauptverbände selbst bereichern, die nach außen oftmals als Vertreter der Armen sich präsentieren, intern höchstwahrscheinlich einen ordentlichen Reibach mit der Situation machen. Die Zusätzlichkeit bei einEuroJobs ist oftmals schon längst nicht mehr gegeben.

Einig sind sich Fachleute darüber, das reguläre Arbeit vernichtet worden ist, teils neu enstandene Arbeitsplätze durch EinEurojobber aufgefüllt werden. Nachschub bekommen die Wohlfahrtverbände reichlich durch ARGEn und JobCenter. Längst werden gerade arbeitslos gewordene Jobsuchende in diese EinEuroJobs zwangsweise gesteckt, obwohl eigentlich erst eine deutliche Zeit der Arbeitslosigkeit verstrichen sein muss, um eine nicht Vermittelbarkeit nachzuweisen.

Keine Frage, seit Jahrzehnten bieten die Wohlfahrtsverbände Hilfen für Familien, Kinder und Jugendliche an und betreiben selbst Kleiderkammern und spielen auch die Erfüllungsgehilfen versagender Sozialpolitik in Tafeln. Der gute Draht zu den ARGEn und Jobcentern ist bekannt und so betreiben die Wohlfahrtsverbände auch oftmals Erwerbslosenberatungsstellen, die am liebsten im Hintergrund arbeiten und bei weitem nicht so offensiv auftreten, wie unabhängige Erwerbslosen-Initiativen.

Die Wohlfahrtsverbände sind als Lobby der Erwerbslosen kaum zu gebrauchen, wenn sie einerseits womöglich von den Erwerbslosen profitieren, andererseits meinen, Forderung gegen Hartz IV zu stellen. An einer Beteiligung von Demonstrationen, wie vergangenes Wochenende in Essen ist nicht zu denken. Immerhin stellen sie Krankentransporte zur Verfügung, wenn es bei Demos zu Ausschreitungen kommt. In Essen wurden sie scheinbar durch die Polizei provoziert. Ein Geschmäckle bleibt in jeder Hinsicht!

Schönen Tach noch…

Tach auch,

am 27. Januar 2010 fand im Bundestag eine Feier zum Gedenken der Opfer des Nationalsoziallismus statt. Neben dem Israelischen Präsidenten Shimon Peres war auch Prof. Dr. Feliks Tych, der der Nazi-Folter entkam, geladen.

Tych, geboren 1929 als Kind jüdischer Eltern in Warschau und von 1995 bis 2007 Direktor des Jüdischen Historischen Instituts Warschau, war geladen, eine Rede zu halten, bei der man gleich zu Beginn sich in die heutige Zeit versetzt sah:

Das Dritte Reich hatte mit jüdischen Kindern anderes vor.

Wir wohnten damals in Radomsko, einer kleinen Industriestadt, 60 km von der deutschen Grenze entfernt. Mein Vater, ein technischer Autodidakt, besaß eine kleine Fabrik für Baubeschläge. Von den 28.000 Einwohnern der Stadt war ein Drittel jüdisch. Heute wohnt dort kein einziger Jude mehr.

Am dritten Kriegstag rückte die Wehrmacht ein. Als erstes plünderten Mannschaften wie Offiziere jüdische Läden. Gestapo- und SS-Männer nahmen Juden auf der Straße fest oder holten sie aus den Häusern, um sie zu schikanieren. Sie hatten nichts dagegen, dass polnische Passanten ihnen dabei zusahen. Vermutlich lag ihnen sogar an diesen Zuschauern.

Am 20. Dezember musste die jüdische Bevölkerung ohne Vorankündigung der deutschen Behörden sofort in einen kleinen Teil der Stadt umziehen, der seitdem bei der Bevölkerung Getto hieß. Es hatte weder Mauern noch Zäune, nur deutsche oder polnische Polizisten standen an der Gettogrenze. Auf Schildern wurde davor gewarnt, es unerlaubt zu betreten oder zu verlassen.

Wir mussten unsere Wohnung innerhalb weniger Stundenräumen und zogen in ein Holzhaus am Gettorand. Mit knapp 12 Quadratmetern in einer Dachkammer mussten meine Eltern, drei meiner Geschwister und ich fortan auskommen.

Fast alle Gettobewohner lebten im Elend. Männer zwischen 16 und 55 Jahren hatten unentgeltlich schwere Zwangsarbeit zu leisten, welche die deutschen Behörden für sie erfanden. Im Sommer 1940 starben während einer Typhusepidemie Hunderte von Menschen.

In der Aktuellen Situation und in Bezug auf die andauernde Hartz IV-Diskussion könnte die Rede von Tych auch so ausgesehen haben:

…Die Bundesrepuplik Deutschland hatte mit Kindern Arbeitsloser anderes vor.

Wir wohnten damals in XY, einer kleinen Industriestadt, 60 km von der Großstadt YZ entfernt. Mein Vater, ein technischer Autodidakt, besaß eine kleine Fabrik für Baubeschläge, die wegen Spekulanten aufgeben musste. Von den 28.000 Einwohnern der Stadt war ein Drittel arbeitslos. Heute wohnt dort kein einziger Arbeitsloser mehr.

Im siebten Jahr des Sozialabbaus rückten Polizeieinheiten ein. Als erstes plünderten Mannschaften wie Offiziere Tafel-Läden. Spezialeinheiten nahmen Arbeitslose auf der Straße fest oder holten sie aus den Häusern, um sie zu schikanieren. Sie hatten nichts dagegen, dass Passanten ihnen dabei zusahen. Vermutlich lag ihnen sogar an diesen Zuschauern.

Am 20. Dezember musste die arbeitslose Bevölkerung ohne Vorankündigung der deutschen Behörden sofort in einen kleinen Teil der Stadt umziehen, der seitdem bei der Bevölkerung Ghetto heißt. Es hatte weder Mauern noch Zäune, nur Polizisten standen an der Ghettogrenze. Auf Schildern wurde davor gewarnt, es unerlaubt zu betreten oder zu verlassen.

Wir mussten unsere Wohnung innerhalb weniger Stunden räumen und zogen in ein Holzhaus am Ghettorand. Mit knapp 12 Quadratmetern in einer Dachkammer mussten meine Eltern, drei meiner Geschwister und ich fortan auskommen.

Fast alle Ghettobewohner lebten im Elend. Männer zwischen 16 und 55 Jahren hatten unentgeltlich schwere Zwangsarbeit zu leisten, welche die Behörden für sie erfanden. Im Sommer 2013 starben während einer Typhusepidemie Hunderte von Menschen.

Steuern wir darauf zu, ist die Situation schon fast vorhanden oder werden wir den Dreh, etwas zu verändern hinbekommen? Aus der Situation, die Prof. Tych hier beschrieb, haben die Deutschen nach dem Nazi-Terror ihre Konsequenzen dahingehend gezogen, dass nicht nur jeder Mensch vor dem Gesetz gleich ist, sondern auch ein Arbeitszwang wurde durch ein, erst anfänglich als Provisorium gedachtes, Grundgesetz ausgeschlossen. Nie wieder sollte von Deutschen ausgehen, dass jemand Arbeit tut, die er nicht tun will! Trotz ständig wiederkehrender Gedenkfeiern im Laufe der letzten 60 Jahre ist es in Deutschland wieder möglich, dass Menschen unter dem Druck der Wegnahme einer Mindestsicherung ihres Lebens zu Arbeit herangezogen werden können!

Auch wurden nicht mal 60 Jahre danach Gesetze eingeführt, dass Menschen wieder in Ghettos leben müssen. Heute bezeichnet man Ghettos als prekäre Wohnquatiere. In einigen Regionen Deutschlands gibt es so niedrig angesetzte Angemessenheitsgrenzen zu den Kosten der Unterkunft (KdU), dass Menschen gezwungen sind, sich nur in solch prekären Wohnquatieren Wohnraum zu suchen. Dabei wird keine Rücksicht darauf genommen, ob die betroffenen Menschen aus ihrem sozialen Umfeld, weg von Bekannten, Freunden und Familie, gerissen werden.

Hatten die Verfasser des Grundgesetzes dies so im Sinn, als sie die entsprechenden Artikel im Grundgesetz verankerten, dass wir so schnell wieder ähnliches erleben?

Schönen Tach noch…

Tach auch,

ein immer wieder beklagenswerter Umstand ist, dass viele EinEurojobber während ihrer Beschäftigung Arbeiten ausführen müssen, die über das Maß der Zusätzlichkeit hinausgehen.

Ein Beispiel, um die Zusätzlichkeit zu verdeutlichen: Ein Schulhausmeister bekommt einen EinEuroJobber zugewiesen. Der Hausmeister nimmt sich vor, dass sämtliche Glühbirnen kontrolliert werden und Kaputte Birnen ausgetauscht werden sollen. Eine Arbeit die erledigt werden muss, egal ob er EinEuroJobber zur Hilfe hat oder nicht. Wenn er die eineurojobbenden Hausmeistergehilfen nun beauftragen würde, die Glühbirnen auszuwechseln, dann wäre diese Arbeit nicht zusätzlich, sonder reguläre Arbeit, weil sie auch getan werden müsste, wenn dem Hausmeister keine EinEuroJobber zur Verfügung stehen würden. Lediglich könnten der EinEurojobber die Leiter sichern, benötigtes Werkzeug oder eine Ersatzglühbrine anreichen. Letztere Arbeiten wären zusätzlich und erleichtern dem Hausmeistern seine regulären Arbeiten!

Ein wichtiger Paragraph ist § 16 abs. 3 SGB II:

Für erwerbsfähige Hilfebedürftige, die keine Arbeit finden können, sollen Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden. Werden Gelegenheiten für im öffentlichen Interresse liegende, zusätzliche Arbeiten nicht nach Absatz 1 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gefördert, ist den erwerbsfähigen Hilfebedürftigen zuzüglich zum Arbeitslosengeld II eine angemessene Entschädigung für Mehraufwendungen zu zahlen; diese Arbeiten begründen kein Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeitsrechts; die Vorschriften über den Arbeitsschutz und das Bundesurlaubsgesetz sind entsprechend anzuwenden; für Schäden bei der Ausübung ihrer Tätigkeit haften erwerbsfähige Hilfebedürftige nur wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Dazu führte das Sozialgericht Berlin in einem Beschluss aus:

Nur wenn das zuständige Job-Center vorher geprüft hat, ob die zuzuweisende Arbeit gemeinnützigen Zwecken entspricht und kein regulärer Arbeitsplatz verdrängt wird, darf einem Arbeitslosen ein Ein-Euro-Job zugewiesen werden.
Eine ganz zentrale Rechtmäßigkeitsvoraussetzung von Arbeitsgelegenheiten nach § 16 Abs. 3 SGB II ist die Zusätzlichkeit und Gemeinnützigkeit der auszuführenden Tätigkeiten. Der Leistungsträger hat vor Antritt der Maßnahme sicherzustellen, dass die auszuübenden Tätigkeiten ausschließlich zusätzlich und gemeinnützig sind. Dazu ist zwingend erforderlich, dass die Behörde, nicht der Maßnahmeträger, eindeutig und verbindlich die Arbeitsinhalte, die genaue wöchentliche Arbeitszeit und Arbeitszeitverteilung sowie die Dauer der Maßnahme festlegt. Fehlt es hieran, kann die wegen Unbestimmtheit bestehende Rechtswidrigkeit der Arbeitsgelegenheit nicht mit späteren Präzisierungen geheilt werden, insbesondere ist es unzulässig, den Maßnahmeträger über die genannten Essentialia der Arbeitsgelegenheit entscheiden zu lassen oder ihm hierbei Spielraum zu geben.

(SG Berlin, Beschluss v. 18.07.2005, S 37 AS 4801/05 ER).

In Duisburg wurden EinEuroJobber zum Streusalzkaufen durch die Baumärkte geschickt, weil den Wirtschaftsbetrieben das Streusalz auszugehen droht. Es mag ja eine findige Idee der duiburger Wirtschaftsbetriebe sein, wenn ihre Streugutlieferanten kein Streusalz mehr liefern können, sich über die ortsansässigen Baumärkte zu versorgen. Doch an eine Zusätzlichkeit ist dabei nicht denken, wenn EinEuroJobber so die Bestände wieder auffüllen. Zusätzlichkeit wäre gegeben gewesen, wenn die EinEuroJobber in Duisburg beim verladen geholfen hätten. Die Gemeinnützigkeit mag zwar gegeben sein, allerdings fehlt Zusätzlichkeit und die EinEuroJobber hätten die Arbeit ablehnen können.

Allein die Gemeinnützigkeit darf nicht einen EinEuroJob rechtfertigen, wenn die Zusätzlichkeit den ausgeführten Arbeiten fehlt!

Oftmals werden EinEuroJobber unter fadenscheinigen und dubiosen Argumentationshilfen, wie “für deinen Job hätten wir gar kein Geld, also sind alle deine Arbeiten zusätzlich” zu zusätzlichen Arbeiten angehalten. Beschwerden enden oft mit dem Spruch “wenn du die Arbeit nicht machen willst, dann musst du gehen und wir melden das der ARGE und du wirst sanktioniert” und wird so zum Totschlagargument und der eingeschüchterte EinEuroJobber führt Arbeiten über die Zusätzlichkeit hinaus aus.

Diese Argumentionen, mit denen EinEuroJobber Land auf, Land ab konfrontiert werden, machen den, als Maßnahme mit Mehraufwandsentschädigung eigentlich bezeichneten EinEuroJob zur Sklavenarbeit unter Zwang! Wenn öffentliche Einrichtungen und Betriebe ihre Arbeit nur noch dann aufrechterhalten können, wenn sie entsprechend von EinEuro-Kräften unterstützt werden, dann ist etwas faul im Staate und zeugt davon, dass zuwenig reguläre Arbeitsplätze im öffentlichen Bereich besetzt werden. Hier sollte der Staat als Arbeitgeber, bzw. die Landkreise und Kommunen schnellsten etwas unternehmen.

Natürlich gibt es die EinEuroJobber, die zufrieden mit ihrer Beschäftigung sind, weil sie etwas um die Ohren haben, statt zu Hause zu sitzen. Doch sie tragen durch ihre wenig kritische Haltung zur Lohndrückerei und zur Vernichtung regulärer Arbeitsplätze bei! Immerhin hat der moderne Sklave durch die Mehraufwandentschädigung etwas mehr Geld in der Tasche, was allerdings durch ein Urteil im letzten Jahr geschmälert wurde, weil es nun kein extra Fahrgeld mehr gibt, um zum EinEuroJob zu kommen.

Fernseh-Dokus, wie “die Armutsindustrie” mögen da nur ein wenig an der Oberflächen kratzen, auf welche Art die betroffenen Menschen um ihre Selbstbestimmung gebracht werden. Wäre es nicht besser, wenn die katzenkloreinigende EinEuroJobberin beim Katzenschutzbund freiwillig sich die Beschäftigung gesucht hätte, statt über ein JobCenter dorthin vermittelt zu werden? Und wäre es nicht schön, wenn sie für ihre Lust an der Unterstützung des Katzenschutzbundes vom Staat ein bedingungsloses Grundeinkommen, was deutlich über den Hartz IV-Sätzen liegt, bekommen könnte? Sicherlich würde sich die Katzenfreundin auch länger, als nur ein halbes Jahr oder 9 Monate auf ihre tägliche Beschäftigung freuen und das Zeugs wegen der Zusätzlichkeit würde entfallen. Zudem könnten püppchenhäkelnde Grundeinkommensempfänger auch zu Hause ihre Arbeit durchführen und an entsprechenden Stellen abliefern, nur dann verdient diese “Armutsindustrie” nichts. Leider gibt es viele EinEuroJobber, die sich mit ihrer Beschäftigung nicht identifizieren können, ihre Selbstbestimmung durch Erpressung aufgeben müssen, um wenigstens ab und zu im Monat etwas vernünftiges auf den Tisch zu bekommen.

Schönen Tach noch…

Tach auch,

nicht verpassen sollte man die Doku “Armutsindustrie” heute in der ARD, um 21.45!

In der Doku wird unter anderem aufgezeigt, wie das EinEuroJob-Dilemma in der Privatwirtschaft über Umwege längst angekommen ist.

Sehr treffend berichtet die TAZ über die Doku:

Ein Fernsehabend mit dem Ersten dürfte am Mittwoch keine gute Laune machen. Im Gegenteil. Es treibt einem mitunter Wut in den Bauch. Der Abend lohnt sich dennoch, weil sich die Autorin Eva Müller eines bisher unangetasteten Phänomens angenommen hat: der “Armutsindustrie”, die von 1-Euro-Jobbern und subventionierten Mitarbeitern lebt, die rasant wächst…

René und Kollegen bekommen einen Euro pro Stunde, um ihr Hartz-IV-Budget aufzubessern. Perfide daran ist, dass nicht der Trampolinhersteller auf die Idee gekommen ist, sondern ein Personaldienstleister, der ausgerechnet zur evangelischen Kirche gehört – und sich “Neue Arbeit” nennt. Sie entleihen mehr als 1.000 1-Euro-Kräfte.

Wer jetzt denkt, da sei bloß etwas schiefgelaufen, irrt gewaltig. Längst werden laut ARD mehr als eine Million Menschen mit solchen Modellen aus der Arbeitslosenstatistik gekauft. Der Preis dafür sind Lohnkosten von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr: Sozialbeiträge und Steuern…

Müller selbst sagt, sie sei bei den Dreharbeiten “erstaunt gewesen, wie normal manch einer es findet, 1-Euro-Jobber, die vom Steuerzahler bezahlt werden, in der Produktion für ein ganz normales Produkt einzusetzen”. Der Film der Autorin, die immer wieder mit herausragenden Sozialreportagen glänzt, zeigt auch Arbeitslose, die als Praktikanten bei Logistikunternehmen Lieferungen zusammenstellen. Oder Frauen, die als 1-Euro-Kraft putzen…

Die “Armutsindustrie” zeigt auch die andere Seite der Medaille, nämlich Arbeitslose, die resignieren statt sich zur Wehr zu setzen…“Weil das eh nichts bringt. Ich bin doch Bittsteller und muss mich mit denen gut stellen.”

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Schönen Tach noch…

Und nicht vergessen: Hier kurz die Arbeit der Regierungsparteien bewerten!