Archiv für das Tag 'erwerbslos'

Tach auch,

gestern in den Nachrichten war es eine ziemlich unreflektierte Meldung wert: Die verhängten Sanktionen der Jobcenter sind mehr geworden und es gibt mehr Arbeitsverweigerer!

Angeblich boomt die Wirtschaft, doch der Boom geht an den Alg II-Beziehern vorbei. Meldungen, die es vor kurzem gab, dass 1 Million Arbeitslose in Jobs vermitteln wurden, entpuppte sich als Luftnummer. Lediglich wurden ca. 120.000 Leute von Bundesagentur für Arbeit (BA) vermittelt, ca. 560.000 suchten sich selbst einen Job und wieviele Alg II-Bezieher und wieviele Alg I-Bezieher es sind, diese INformation fehlte dann auch noch.

Bei der Arbeitsverweigerung der von Hartz IV Betroffenen muss man einfach differenzieren! Wieviele Erwerbslose wollen keinen Job um jeden Preis? Wieviele Erwerbslose sind unter ihnen Mütter, die nicht wissen, wie sie ihr/e Kind/er unterbringen sollen? Wieviele Erwerbslose gibt es, die ein gesundheitliches Handicap haben und gar nicht jeden Job annehmen können?

Einen Job um jeden Preis will nicht jeder Erwerbslose annehmen und das zu Recht! Denn gerade niedrig entlohnte Jobs drücken die Löhne der Arbeitenden. Viele werden von einem zu niedrig entlohnten Job ihre Familie nicht ernähren können, ohne dass sie trotzdem weiterhin aufstocken müssen und so weiterhin im schikanösen Hartz IV-System bleiben müssen. Schon jetzt merken viel zu viele Erwerbslose, dass sie, um ihre Rechte durchzusetzen, zu viel Zeit aufbringen müssen, um sich mit irgendwelchen Anträgen oder falschen Entscheidungen der Jobcenter herumschlagen müssen.

Es gibt Berichte über Erwerbslose, die Handwerksmeister sind, denen ein Job in ihrem Fach angeboten wurde, allerdings der potenzielle Arbeitsgeber nicht genug Lohn zahlen wollte, obwohl der Erwerbslose Handwerksmeister die volle Verantwortung eines angestellten Meister übernehmen sollte. Kein wunder dass dann ein Erwerbsloser die Annahme eines Jobs verweigert! Und dies ist nur ein Beispiel von vielen.

Häufig wird alleinerziehenden Müttern ein Job angeboten, obwohl nicht geregelt ist, wie die Kinderbetreuung gestalten ist und ob es überhaupt in angemessener Nähe Möglichkeiten der Kinderbetreuung gibt. Ob da wirklich jede Sanktion wegen der Weigerung einen Job anzutreten gerechtfertigt ist, muss stark angezweifelt werden!

Viele Erwerbslose, gerade jene mit einer kaufmännischen Ausbildung können gar nicht jeden Job annehmen, weil sie ein gesundheitliches Handicap haben. So trifft man in den Stellenanzeigen häufig auf Jobangebote, in denen einen Empfangsdame mit Telefondienst gesucht wird. Doch spätestens beim Bewerbungsgespräch stellt sich heraus, es sollen zu dem massive Putzarbeiten mitgemacht werden und schon löst die Hoffnung auf zumindest solch ein Jobangebot sich dann in Luft auf, wenn körperliche Einschränkungen es schlicht verbieten, umfangreiche Putzarbeiten auszuführen, während ein reiner Bürojob durchaus ohne Probleme zu bewältigen wäre.

Natürlich kommen wieder die Rufer danach, doch froh zu sein, überhaupt einen Job zu haben. Jene sind allerdings nicht in der Lage, zu erkennen, was das ganze Hartz IV-System eben bewirken soll! Denn würden sie es erkennen, wären sie vielleicht eher bereit, für bessere Löhne und Arbeitsverhältnisse auf die Straße zu gehen. Schließlich markiert Hartz IV nichts anderes, als einen Teufelskreis. Für viele gibt es schlicht keine Arbeit, für viele gibt es nur schlecht bezahlte Arbeit. Schlecht bezahlte Arbeit drückt die Löhne derer, die noch halbwegs vernünftig bezahlten Jobs arbeiten dürfen. Schlechte Löhne bedeuten aber eben auch weniger Einzahlungen in die Sozialkassen usw..

Es ist ein Faß ohne Boden und darum gehört es abgeschafft!

Schönen Tach noch…

Tach auch,

bevor hier mal wieder die Arbeitslosenstatistik zerpflückt wird und die wahren Erwerbslosenzahlen offen gelegt werden, soll hier ein Zitat dafür herhalten, wie bei der Statistik getrickst wird.

…ich bin Arbeitsvermittler bei der BA im Kölner Westen,
wenn ich der Öffentlichkeit erzählen würde, wie wir in unserem Agenturbezirk tricksen um vor den letzten 5 Plätzen im Ranking der 178 Agenturen zustehen, damit unser Chef(in) nicht in Nürnberg antanzen muß, würde Ihnen Hören und Sehen vergehen!!!!
Da kann ich auch das Fenster in meinem Büro öffnen, und das Geld in den Hof werfen!

(Quelle: Kommentar zum Zeit-Artikel “Herbstbelebung am deutschen Arbeitsmarkt”)

Es ist mühseelig, immer wieder davon berichten zu müssen, dass die veröffentlichte Zahl der Arbeitslosen nichts mit der Zahl der tatsächlich Erwerbslosen zu tun hat. Für die Öffentlichkeit hört sich die Zahl der von der Bundesagentur für Arbeit (BA) als arbeitslos geführten Menschen immer wieder ziemlich niedrig an. Wären es noch mal 1,5 Mio. Menschen weniger, die arbeitslos sind, würde man schon fast von Vollbeschäftigung sprechen. Allerdings sugeriert man den Schichten in Deutschland, die von der Krise bisher nichts spürten, weiterhin eine heile Welt, wenn sie ihre Tageszeitungen aufschlagen. Ihnen prangt die Zahl von 3,229 Mio. Arbeitslosen entgegen.

Anmerken muss man, dass einige Zahlen, die die monatliche Statistik ausweist immer um 3 Monate hinterherhinken. So werden in diesem Monat 4.922.731 erwerbsfähige Menschen im SGB II-Bereich ausgewiesen und im SGB III-Bereich 1.166.136 Menschen. Ergibt zusammen 6.088.867 erwerbslose Menschen in Deutschland, die sich um ein gesamtwirtschaftliches Stellenangebot von rund 897.000 offenen Stellen kloppen.

Nachlesen kann man in der Statistik auch, dass bei all den zahlen diejenigen Erwerbslosen überhaupt keine Berücksichtigung finden, deren Partner zuviel verdienen und sie deswegen keinen Anspruch auf Leistungen haben. Mit anderen Worten, bei Abgängen aus dem Hartz IV-Bereich verschwinden automatisch die Partner, deren arbeitende Hälfte durch eine Arbeitsaufnahme soviel verdienen, dass die erwerbslose Hälfte ihren Anspruch auf Leistungen verwirkt.

Auch gibt es viele, die in der Krise erwerbslos geworden sind, schnell wieder einen neuen Job fanden, allerdings bei weitem nicht mehr soviel verdienen, als zuvor. Davon fallen dann viele als Aufstocker aus dem hartz IV-Bezug, in dem sie Wohngeld beantragen, um ihre Mindereinkommen aufzufangen. Darunter sind sicherlich viele, die sich mit ihrem geringeren Einkommen nicht zufrieden geben und sich ebenfalls um einen besseren Job bemühen, was allerdings die Chance auf einen Job der von Hartz IV Betroffenen schmälert.

Die Bundesregierung täte gut daran, mit der wahren Zahl der Erwerbslosen zu arbeiten, anstatt sich Monat für Monat selbst zu belügen. Wie sagte doch BA-Chef Weise: Die eigentliche Belastung komme erst 2010 auf den Arbeitsmarkt zu! Dabei ist sie eigentlich schon seit viel längerer Zeit vorhanden!

Schönen Tach noch…

admin

Hartz IV greift!

Tach auch,

Hartz IV greift und zeigt seine volle Wirkung, besonders bei den Betroffenen. Nur zu einem verhilft es nicht, zu einem vernünftigen Job!

Hartz IV ist die Einschüchterungsmaschinerie schlecht hin. Betroffene haben Angst, Opfer einer staatlich angeordneten Willkür zu werden. Während ein paar hunderttausend Betroffene über den Zugang ins Internet sich mit Informationen versorgen können, von denen ein paar Zehntausend über diverse Foren vernetzt sind, bleibt das Gros der 6,7 Mio. erwerbsfähigen Betroffenen uninformiert auf der Strecke. Viele davon sehen sich als Bittsteller.

Doch sie sind keinesfalls Bittsteller. Gerade dann, wenn eine Politik in einem Land betrieben wird, welches im Grundgesetz den Sozialstaat verankert hat, dass die freien Märkte jedoch fördert und die Tarifautonomie schwächt, um damit eine Billiglohnstruktur in einem der reichsten Länder auf der Welt zu fördern, der braucht sich nicht als Bittsteller zu sehen.

Wenn die Politik durch ihre gesetzgebende Kraft nicht dafür sorgt, vorhandene Arbeit so aufzuteilen, das mehr Menschen von Arbeit leben können, ohne auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein oder gar durch seine Politik dafür sorgt, dass millionen Menschen gar keine Arbeit haben, dann gesteht solch ein Staat sich auch ein, sich diese Arbeitslosen leisten zu können.

Wählt der Souverän, nämlich das Volk, seine Vertreter so, dass diese millionen Menschen in relative Armut schicken, dann ist der Wähler eben der Meinung, diese Politik sei vollkommen ok. Dann müssen zumindest die Wähler, die diese Politik unterstützen auch damit leben können, dass man sich so viele Menschen ohne Arbeit leistet.

Durch den Ausschluß der Menschen von der Arbeit, hat der Staat dann auch kein Recht, unter Zwang diese Menschen zu Tätigkeiten heranzuziehen, die angeblich nur dem Allgemeinwohl diene und gemeinnützig sei.

Vielmehr hat der Staat dann seine Pflicht, diese arbeitslosen Menschen so mit Geld zu unterstützung, dass ihnen trotz Erwerbslosigkeit die Teilhabe an gesellschaftlichem Leben möglich ist. Sorgt der Staat dafür dann nicht, begeht ein solcher Staat unrecht an Teilen seines Volkes und kommt seinem verankerten Sozialstaatsprinzip nicht nach.

So ist der Erwerbslose kein Bittsteller, sondern ein arbeitsloser Mitbürger, den sich ein Staat durch seine umgesetzte Politik leistet und dieser gehört unterstützt und nicht unter Druck gesetzt.

Vielmehr sollten sich dann Erwerbslose gegen einen solchen Staat zur Wehr setzen, der bewusst erwerbslose Menschen dann diffamiert, ausgrenzt und schikaniert!

Dazu bedarf es jeder Menge an “Che ARGEvaras”, die sich trotz widriger Umstände dagegen auflehnen, dass einerseits Menschen von relativer Armut betroffen sind, andererseits Menschen in unfassbarem Reichtum leben, der immer größer wird, weil er diejenigen Menschen mit Erwerbsmöglichkeit immer mehr ausnutzt.

Ergeben sich mehr und mehr Menschen ihrem Schicksal, ob mit oder ohne auskömmlicher Arbeit, dann verraten sie damit einen Teil der Demokratie, die ihnen eigentlich die Möglichkeit gibt, über die Politik im Land zu richten.

Schönen Tach noch…

Und nicht vergessen: Hier kurz die Arbeit der Regierungsparteien bewerten!